Protokoll der Sitzung mit dem Tanzhaus Zürich

Catja Löpfe, Nadine Schwarz und Marie Alexis / 2.3.2020

Seit der Eröffnung des neuen Gebäudes sind der TanzLOBBY IG Tanz Zürich diverse Kritikpunkte/Verbesserungsvorschläge zu Ohren gekommen. Wir haben diese Stimmen gebündelt. Anfang März haben sich Marie Alexis und Nadine Schwarz mit Catja Löpfe zu einem Gespräch getroffen. Dabei haben wir von der Programmierung bis zu den Kleiderhaken diverse Themen angesprochen. Das Tanzhaus schätzte die Verbesserungsvorschläge und Inputs und ist offen für alle, die das Gespräch suchen.

Das Gespräch basiert auf Statements aus der Szene.

Öffnung des Tanzhauses und Durchmischung mit der Öffentlichkeit

    • Insgesamt freuen sich die Tanzschaffenden über die Öffnung des Tanzhauses u.a. durch das öffentlich zugängliche Café. Die Idee der Sichtbarkeit des Tanzschaffens durch das Tanzhaus als Begegnungsort mit der Öffentlichkeit wird grundsätzlich sehr begrüsst. Dies bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich, die nach einer Lösung verlangen.
    • Die Tanzschaffenden wünschen sich mehr Raum ausserhalb der Studios, der für sie reserviert ist. Und wo sie z.B. die Möglichkeit haben, selbst mitgebrachtes Essen aufzuwärmen und zu konsumieren. Es wurde immer wieder betont, dass sich die meisten Tanzschaffenden nicht leisten können, im Café zu „normalen“ Preisen zu konsumieren, und dass das Angebot im Nude auch nicht gedacht ist, um hungrige Tänzer*innen bei einem langen Probentag zu verpflegen.
    • Die Idee, evtl. den hinteren Teil des Foyers für die Tanzschaffenden zu reservieren, wo sie sich selbst verpflegen können, wurde mehrfach eingebracht. Es würde zugleich auch mehr Begegnungsraum entstehen lassen, wo verschiedene Gruppe und Personen, die gerade unabhängig voneinander im Tanzhaus arbeiten sich begegnen können.Catja: Nude: Gastro-Betrieb und Tanzhaus unter einen Hut zu bringen ist sehr komplex. Soll das Café jeden Tag und auch unabhängig von Veranstaltungen offen sein (was Tanzschaffenden auch entgegenkommt und Sichtbarkeit schafft), muss das Café Umsatz generieren.
    • Gastrokenner empfehlen, die Preise analog den anderen betrieben an der Letten-Flanierweg zu gestalten, da man sich sonst unbeliebt macht.
    • Im hinteren Bereich bei den Sofas sowie draussen auf der Mauer, wo keine Tischschen angebracht sind, ist bereits für Tanzschaffende angedacht. Dort darf privat Mitgebrachtes konsumiert werden. Es mag sein, dass nicht alle Angestellten des Nudes dies wissen. Es wird an besserer Kommunikation gearbeitet. Konsumierende Gäste sollten immer Platz an den Tischen und auf der Mauer mit Holztischchen finden.
    • Geschirr bitte selber mitbringen und Abfall entsorgen (dafür stehen neu Abfalleimer bereit). Der gegenseitige Respekt ist wesentlich!
    • Koproduzierende im Tanzhaus erhalten eine Reduktionskarte für das Nude. Es wird überlegt, ob es finanziell möglich ist, dass auch die lokalen Residenzgäste eine Reduktionskarte erhalten.
    • In der Teeküche im ersten Stock dürfen sich Residenzgäste & Koproduzierende jederzeit aufhalten. Alle anderen Tanzschaffenden bitte nur zu Bürozeiten (Mo-Fr 9-17h). Bitte Rücksicht nehmen auf den Bürobetrieb (bei lauten Gesprächen in der Teeküche wird das Arbeiten in den Büros schwierig). Bitte beachten, dass die Teeküche gleichzeitig auch das Tanzhaus Sitzungszimmer ist.
    • Grund für die eingeschränkte Nutzung der Teeküche ist die Sicherheit. Eine Erfahrung war, dass am Wochenende in der Küche ohne Befugnis konsumiert wurde und die Haupttüre offenstehen gelassen wurde.
    • Auch der Backstage-Bereich im Alten Gebäude darf genutzt werden. Er ist vorrangig an die Nutzung der Bühne 2 gekoppelt, sollte also z.B. für Residenz- und Koproduktionsgäste verfügbar sein.

      Studios und Räumlichkeiten allgemein

    • Grundsätzlich gefällt vielen das neue Tanzhaus als geschmackvoll gestalteter Ort. Einige Dinge erweisen sich in der Praxis jedoch als schwierig. Abgesehen vom (fast völlig) fehlenden Tageslicht in den Studios lassen sich die meisten Dinge vermutlich für einen reibungsloseren Ablauf lösen.
    • Es wurde der Wunsch nach Schuhablagen vor den Studios geäussert. Dies würde Ordnung schaffen und auch dem reibungslosen Betrieb im Nude entgegenkommen.
      Catja: Schuhablage in den Studios ist angedacht.
    • Die Garderoben seien anscheinend z.B. bei Abendkursen sehr voll, und die Möglichkeiten, Kleider usw. aufzuhängen bzw. abzulegen nicht genügend.
      Catja: Man kann je einen Garderobenständer in die Garderoben vor das Fenster stellen.
    • Der Boden in den Studios wird als sehr angenehm empfunden!
    • Die Belüftung in den Studios wurde mehrfach bemängelt. Wir wissen, dass bereits daran gearbeitet wird, möchten es aber nochmals betonen, dass eine Lösung dringlich ist.
      Catja: Die Lüftung läuft nur, wenn sich jemand im Raum bewegt. Das Tanzhaus möchte, dass die Lüftung 24h läuft. Aufgrund Minergiestandards wird dies in der Stadt gerade heiss diskutiert. Sie prüft zurzeit den CO2- Gehalt. Das Problem ist erkannt, eine Lösung in Sicht.
    • Die Schallisolierung wurde als mangelhaft angesprochen. Einerseits im Nude selbst, andererseits die Bühne 1: es seien bei ruhigen Momenten in Vorstellungen teilweise Gespräche aus dem Foyer zu hören.
      Catja: Dies war ein Baumangel und wurde behoben.
    • Es ist Vielen anscheinend nicht bewusst, dass das Licht in den Studios dimmbar ist. Eine entsprechende Information würde helfen.
      Catja: Auf dem Lichtschalter kann gerne ein Kleber angebracht werden.
    • Catja: Tonpult bitte nicht umstecken! Alles sein lassen! Ansonsten funktioniert es nicht mehr.
    • Es wurde die Kritik angebracht, das Tanzhaus sei nicht vollständig barrierefrei.
      Catja: Das Büro für Gleichstellung hat das Tanzhaus geprüft und freigegeben. Nur die Türe vom Nude zur Toilette fällt automatisch ins Schloss und ist somit schwer zu öffnen. Diese Türe muss aber aus Brandschutzgründen so sein.
    • Tickets für das Profitraining müssen unten geholt werden und oben findet das Profitraining statt. Das ist ungünstig.
      Catja: Eine Lösung wird erarbeitet.
    • Schlüsselübergabe für Miete sollte 5 Min. vor der effektiven Mietzeit stattfinden.
      Catja: In der Regel sollte die Reception genügend früh geöffnet sein, wird nochmals so ins Team eingebracht.

      Trainings- und Kursangebot

    • Das neue, breitere Trainings- und Kursangebot wird sehr geschätzt! Die Profitrainings seien sehr gut besucht und die Auswahl der Lehrer*innen trägt sicher dazu bei. Ebenfalls wird die Einführung von Amateurkursen sowie die breite der Workshops sehr begrüsst.
      Catja: Das Profitrainingangebot wird «kuratiert». Richtlinien für Auswahl werden bald auf Website aufgeschaltet.

      Tanzhaus-Team und Kommunikation

    • Die Kommunikation mit dem Tanzhaus-Team wird als angenehm empfunden.
    • Es wurde gefragt, wie das Nutzungskonzept für die Bühne 2 aussieht. Dieser Raum wird sehr geliebt!
      Catja: Der Raum wird genutzt, wenn Angebote für viele Leute auf dem Plan stehen. Das Profitraining ist jeweils in Bühne 2. Beliebte Workshops finden ebenfalls im grossen Saal statt. Raum ist deshalb bereits stark belegt, darüber hinaus wird er intensiv genutzt von Residenzgästen oder Koproduktionen. Vorstellungen sind meist auf Bühne 1, da dort technisch mehr möglich und der Aufbau einfacher ist. Auch Festivals können im grossen Saal stattfinden. Ev. muss dann das Profitraining 1-2x ausweichen. Der Saal kann auch gemietet werden. Dies ist allerdings eher selten, da er vorwiegend für die künstlerische Arbeit sowie Weiterbildung für die Szene genutzt werden soll. Gut zu wissen ist dennoch, dass das TH Mieteinnahmen von 60’000.-/Jahr generieren muss.
    • Es kommt immer wieder der Wunsch auf nach Transparenz bezüglich der Programmierung. Gibt es Kontingente für lokale Tanzschaffende, für Newcomers oder für verschiedene Stile?
      Catja: Sie sind dabei, hierzu einen Text zu formulieren, der über die Website kommuniziert wird.
    • Das Tanzhaus kann 6-8 Compagnies oder Einzelkünstler*innen pro Saison koproduzieren. Davon 1-2 für ein junges Publikum. Kontiongente machen nur Sinn wenn eine kritische Anzahl pro Kontingent definiert werden kann.
    • Neu ist, dass das Tanzhaus Gruppen, die es koproduziert, besser begleitet werden. Künstler*innen, die im TH arbeiten, dürften in Zukunft in diversen Zürcher Häusern produzieren. Darum öffnet sich das Tanzhaus und fokussiert auch auf andere und neue Initiativen (abseits Newcomern). Oberste Priorität behält aber der Anspruch an Qualität, inhaltliche Relevanz und Aktualitätsbezug. Auf Nachfragen, warum bestimmte Künstler*innen oder Produktionen im Programm Einzug finden, wird gerne und offen Auskunft erteilt. Es gibt neu einen Dramaturgiepool aus 4 Personen. Diese unterstützen die Koproduktionen bei ihren Dossiers, helfen Koproduktionspartner und Residenzen zu finden, Inputs zu geben. Zudem begleiten diese Personen die Proben als outside eye punktuell. Die Gruppe besteht aus Marc Streit, Simon Froehling (ehem. Theaterressigeur & Autor), Lea Moro und Jessica Huber. Informationen zum Dramaturgiepool findet man auch auf der Website.
    • Catja: Rückfragen und Kritik sind vom Tanzhaus generell gerne gesehen. Falls dieses Interview weitere Fragen auslöst: herzlich willkommen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.