Positionierung der lokalen Verbände für Tanzschaffende zur Stellungnahme von Danse Suisse (Kulturbotschaft 2021-2024)

Wir lokalen Verbände der Tanzschaffenden der Deutschschweiz unterstützen die Stellungnahme von Danse Suisse vollumfänglich und möchten besonders folgende Punkte unterstreichen:

 

Hier der Link zur Stellungnahme von DanseSuisse, welchen wir mit folgendem Schreiben unterstützen:

 

 

  1. Allgemeines

[3]        Die wachsende Bedeutung der ProduzentInnen und Produktionsleitungen in vielen Kunstsparten – gerade auch im Bühnentanz – wird in der Botschaft kaum erwähnt. Sie nimmt unter anderen zu in der Folge der stetig höheren Ansprüche, die von der Förderung an Projektbeschreibungen und Geschäftspläne gestellt werden. Hier sind ein Einhalt und eine Überprüfung der herrschenden Anforderungen geboten.

[4]        Ebenso wenig thematisiert wird in der Produktionsförderung das Verhältnis zwischen jungen, arrivierten und alten Kunstschaffenden: Bei kontinuierlich wachsender Zahl gut ausgebildeter KünstlerInnen, aber praktisch gleichbleibenden Fördermitteln wächst die Konkurrenz. Folglich drängen sich Überlegungen zur schärferen Auswahl auf, die sich auf die „Karrieren“ und Berufsbiographien stark auswirken können und deshalb sorgfältig – und sinnvollerweise im Rahmen des Kulturdialogs – diskutiert werden müssen. Weiter wie bisher ist keine Option.

[6]        Es müssten kontinuierliche Dialogmöglichkeiten mit den Bundesstellen und Kantonen geschaffen werden z.B. in einem Gefäss des Nationalen Kulturdialogs. Die Verbände sollten standardmässig Teil von Arbeitsgruppen sein, wenn es um die Entwicklung und Umsetzung neuer Konzepte geht.

In der Umsetzung der Verordnung über das Förderungskonzept für die Unterstützung von Organisationen professioneller Kulturschaffender sind, im Dialog mit den betroffenen Organisationen, Anpassungen vorzunehmen.

[8]        Frühförderung von Talenten: Durch die Verankerung der musikalischen Nachwuchsförderung in der Bundesverfassung ist es in der Sparte Musik möglich, für diesen spezifischen Bereich Bundessubventionen zu erhalten. Wir begrüssen dies sehr, würden uns aber wünschen, dass auch für die anderen Kunstsparten, nicht zuletzt aus Gründen der Gleichbehandlung, entsprechende Massnahmen geschaffen werden.

 

 

 

  1. Zum Tanz

Im Entwurf zur neuen Kulturbotschaft wurden nun Theater, Tanz, Musiktheater und Zirkus unter dem Begriff „Darstellende Künste“ zusammengefasst. Wir lehnen die Zusammenfassung dieser verschiedenen Sparten unter dem Begriff „Darstellende Künste“ ab. Diese Zusammenfassung verunmöglicht eine Profilierung der Identität dieser verschiedenen Bereiche des Kunst- und Kulturschaffens. Zudem wird die Kulturbotschaft den sehr unterschiedlichen Berufskarrieren und Produktionsweisen in diesen Kunstbereichen dadurch nicht gerecht. Wir fordern, dass auch in den „Darstellenden Künsten“ diversifiziert die je sparteneigenen Bedürfnisse von Theater, Tanz, Musiktheater und Zirkus definiert und berücksichtigt werden.

In der Botschaft fehlen jegliche Hinweise auf Besonderheiten, die unsere Sparte von allen anderen unterscheiden, es ist zwingend, dass diese berücksichtigt werden.

[4]        Die Lokalen Verbände sind mit der vorgesehenen Neuerung bei den Tanzpreisen (Ziffer 2.1.4, Seite 17) nicht einverstanden. Wir unterstützen die Forderung von Danse Suisse, dass die Eigenständigkeit der Sparte Tanz durch die Verleihung von Preisen an herausragende Tanzwerke, Choreograf*innen und Tänzer*innen beibehalten wird.

 

Zum Fragenkatalog:

  1. Umsetzung der Kulturbotschaft 2016–2020

Wir stellen uns voll und ganz hinter die Beurteilungen und Forderungen von Danse Suisse.

Hier wollen wir ein paar Punkten besonderen Nachdruck verleihen:

Wir finden es sehr stossend, dass die gewaltige Arbeit, die Danse Suisse zur Qualitätssicherung der in den letzten sechs Jahren entstandenen Ausbildungsgänge für Tanz leistet, nicht angemessen honoriert wird. Zudem ist es für uns unverständlich, warum Danse Suisse nicht anstelle einer dritten Landessprache Englisch nutzen darf. Englisch ist die Arbeitssprache der Tanzschaffenden. Dies gilt global. So werden beispielsweise auch nationale Treffen von reso Tanznetzwerk Schweiz auf Englisch, nicht auf Deutsch oder Französisch, abgehalten, um den Röstigraben zu überwinden.

Die lokalen Verbände für Tanzschaffende leiden unter der Unterfinanzierung des Dachverbandes. Danse Suisse fehlen die Ressourcen um koordinative Aufgaben unter den Vereinen zu übernehmen oder um regelmässig Weiterbildungen für professionelle Tanzschaffende zu veranstalten. Zudem fehlen Danse Suisse die Mittel, um lokale Interessengemeinschaften für den Tanz finanziell zu unterstützen, wie das im Bereich Theater möglich ist.

Auch wehren wir uns dagegen, dass für die Bemessung der Beiträge die absolute Zahl der Mitglieder einer Kulturellen Organisation als Basis dient. Der Tanz ist in der Schweiz, nicht wie in unseren Nachbarsländern, bereits in der Schule (im freiwilligen Bereich) verankert. Staatlich unterstützte Ausbildungen und die damit einhergehende Anerkennung des Tanzes als Berufsfeld, gibt es erst seit wenigen Jahren. Ausserdem tragen die kurze Dauer der Karriere und die grosse Mobilität von Tanzschaffenden dazu bei, dass es insgesamt weniger Tanzschaffende gibt als andere darstellende Künstler und dass nicht alle von ihnen Mitglieder bei Danse Suisse sind. Trotzdem leistet Danse Suisse essentielle Arbeit für den Tanz in der Schweiz, die chronisch unterfinanziert ist.

 

2.1.3 Verbreitung, Promotion und Austausch im Inland

Insbesondere die Förderung der Verbreitung von Tanzwerken auch innerhalb einer Sprachregion durch die Pro Helvetia ist für die lokalen Vereine sehr wichtig. Wir empfehlen ebenfalls, dass eine Zusammenarbeit mit bestehenden Institutionen geprüft wird, statt mehr teure Verwaltungsstrukturen innerhalb der Pro Helvetia aufzubauen.

Auch wünschen wir uns konkrete Zielvorgaben in Bezug auf die Chancengleichheit. Insbesondere soll darauf geachtet werden, dass Frauen auch in Führungspositionen im Bereich Tanz angemessen vertreten sind.

Die Tanzvermittlung steckt in der Deutschschweiz noch in den Kinderschuhen. Hier müssten vermehrt Anstrengungen gemacht werden sowohl bei den Leistungsaufträgen an subventionierte Gruppen wie auch bei der Förderung expliziter Vermittlungsprogramme.

 

2.4 Kulturerbe

2.4.2.3 Betriebsbeiträge an Netzwerke Dritter

Das SAPA ist die einzige Institution, die sich der Erhaltung und Dokumentierung von Tanzwerken widmet. Dies ist besonders für die flüchtigste aller darstellenden Künste von zentraler Bedeutung. Für Tanzwerke existieren keine Libretti, Scripts oder Notationen. Film- und Videoaufnahmen sind oft die einzigen Spuren, die Tanzaufführungen hinterlassen. SAPA muss unbedingt ausreichend Mittel erhalten, um die vom Zerfall bedrohten Videokassetten zu digitalisieren und sie für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

  1. Finanzmittel zur Umsetzung der Kulturbotschaft 2021-2024

Wir stellen uns hinter die folgenden Forderungen von Danse Suisse:

  • Beitrag an das SAPA
  • Vermehrte Unterstützung von Kulturvermittlung und kultureller Teilhabe
  • Erhöhung des KuOr-Beitrags, damit die Aufnahme neuer Organisationen nicht eine Kürzung der aktuellen Subventionen oder gar den Ausschluss von Organisationen professioneller Kulturschaffender nach sich zieht.
  • Gewährung des Teuerungsausgleiches auf den Subventionen im gleichen Umfang wie in der Bundesverwaltung
  • Stärkere Unterstützung von Danse Suisse für die in Kapitel B der Stellungnahme Danse Suisse beschriebenen Aufgaben.

 

Position zu Art. 2.1.4. Schweizer Preise

 

Wir unterstützen die Forderung nach eigenständigen Preisen für die eigenständige Kunstsparte Tanz.

Wir haben Verständnis dafür, dass die vermehrt auftretenden Überlagerungen verschiedener darstellerischer Ausdrucksformen und die Entwicklung neuer Formen auch bei der Förderung und der Verleihung von Preisen berücksichtigt werden soll. Die Kunstsparte Tanz bleibt aber weiterhin lebendig und soll auch in ihrer Einzigartigkeit für die Öffentlichkeit sichtbar sein. Auch ist es uns wichtig, dass die Preise an herausragende Tänzer*innen beibehalten werden. Ihr Beitrag zur Kreation eines Tanzwerkes ist fundamental und geht weit über die reine Interpretation hinaus.

 

Zürich, 20.9.2019

 

 

 

 

 

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