DATANZDA – Eine Aktionsgruppe für die freie Szene. 2005 – 2012


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DATANZDA – ein reflektierendes Gefäss
Zum einen verstand sich DATANZDA als ein Labor, in dem Fragen, Themen, die Auswahl und Gestaltungsweisen von künstlerischer Arbeit vertieft wurden. Dadurch involvierte und konfrontierte DATANZDA sowohl Künstler, die am Anfang ihrer Karriere standen, wie auch etablierte Künstler aus der Schweiz oder dem Ausland, Theoretiker, Kunstwissenschaftler, Veranstalter, Journalisten und weitere Spezialisten.

DATANZDA – ein prozessorientiertes Gefäss
Zum anderen definierte sich DATANZDA als prozessorientiertes Gefäss und bot einen Reflexions- und Austauschraum, in welchem kreative Prozesse, von der Inspiration bis zur Konkretisierung, beobachtet und untersucht wurden. Der Schwerpunkt lag in der kontinuierlichen Bearbeitung von Themen und Konzepten. Jedes Ereignis und jede Veröffentlichung waren Teil dieses Prozesses und sichtbare Stationen auf dem Weg.

Die künstlerische Entwicklung wurde durch Austausch, Reflektion und Diskurs gefördert. DATANZDA bot dafür einen Rahmen, in welchem sich die freie Zürcher Tanzszene einbringen und beteiligen konnte. 1

DATANZDA – Geschichte
DATANZDA wurde 2004 von Wolfgang Brunner, dem Gründer der IGTZ, heute TanzLOBBY IG Tanz Zürich und Angelika Ächter, Mitglied der IGTZ, gegründet und im Februar 2005 erstmals aufgeführt. Laut Wolfgang Brunner sei das Sprengen der Konventionen das Bahnbrechende der Dada-Bewegung gewesen. Die Veranstaltungsreihe DATANZDA sollte entsprechend der Bewegung nicht versuchen etwas Nachzustellen, denn ein Grundmerkmal der zeitgenössischen Kunst sei es, sich von überholten Konventionen zu befreien.2
Nach Wolfgang Brunners Tod (2006) wurde DATANZDA von Anne Rosset, ehemaliges Vorstandsmitglied der IGTZ, und Angelika Ächter weitergezogen. DATANZDA war auch ein Gastgeber für tanzpolitische Veranstaltungen. So wurde die IGTZ eingeladen, eine Plattform für politische Aktivitäten und Gespräche zu organisieren.
Die ersten zwei Jahre konnte DATANZDA sein Programm im Cabaret Voltaire, dem Zürcher Dadahaus, durchführen. Auf Einladung von Muriel Perritaz wechselten sie im Herbst 2006 ins P3 der Gessnerallee. Ab 2009 führten sie im Tanzhaus Zürich auf. Mit seinen unterschiedlichen Bühnensettings und Raumbespielungen bot es ideale Voraussetzungen für Konzepte von raumspezifischen und innovativen Performances. Um die Konzepte zu vertiefen, organisierten sie von da an vier grössere Ausgaben pro Jahr anstatt sieben kleinere. Zusätzlich entschieden sie sich, die Leitung der Veranstaltungen untereinander aufzuteilen.
Der Stand bis Dezember 2010 waren 38 Vorstellungen und 34 Events, welche von 1‘450 Zuschauern besucht wurden.
Ab Sommer 2011 bildete DATANZDA einen Verein. Bis Dezember 2011 hatten 179 verschiedene Personen unterschiedlicher Sparten daran teilgenommen.

Angelika Ächter und Anne Rosset fungierten in ihren unterschiedlichen Funktionen als Konzeptionsgeberinnen, Organisationsteam, dramaturgische Beratung und Performerinnen.
Mit den Gästen entstanden Kreationen, die eigens für das jeweilige Thema des Abends entwickelt wurden.

DATANZDA – Konzepte & Schwerpunkte
Anfang 2006 entwickelten sie eine thematische Reihe, die das überliegende Thema bildete:

„Solo in Grenzen“ bezog sich zu Beginn auf den Raum P3 der Gessnerallee. Es sollten Performances eigens für die Struktur des Raumes entwickelt werden. Später wurde das Thema weiterentwickelt und Performance-Konzepte gesucht, die sich auf Emotionen und Identität fokussierten und unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema Begrenzung hatten. Es wurde zum Verkaufsschlager und war oft ausverkauft.

In „Apropos Impro“ sollten die Künstler*innen die Auseinandersetzung um die Bühnenimprovisation und deren Inhalte suchen. Es wurden auch internationale Gastlehrer eingeladen, die mit ausgewählten Tanz- und Performanceschaffenden an ihrem Konzept arbeiteten. 2008 wurde es durch „Interaktiv“ abgelöst, welches den Fokus auf der Interaktion mit dem Publikum hatte.

„Transdiskurs“ thematisierte zu Beginn das Zusammenspiel von Performenden mit unterschiedlichen Medien und Sparten. Es wurden live Performances und wissenschaftliche Vorträge und Diskussionen kombiniert. Später thematisierte es die Kommunikation zwischen zwei spartenfremden Disziplinen wie z. Bsp. Tanz und Sport.

In 2007 wurde die Reihe mit „Anderswo“ ergänzt. Die Idee war, andere Orte mit dem DATANZDA-Virus anzustecken und an ungewohnten Spielorten zu performen.

2009 wurde das erste Mal das Tanzhaus von DATANZDA bespielt und die Aufführungen auf vier grosse Events im Jahr zusammengefasst mit den Themen „Kontext und Handlung“, „Tanzgeschichte“ und „Funktion und Rolle der Bewegung“. Im darauffolgenden Jahr lag der Fokus auf der Hinterfragung der Zuschauer- und Performerrolle innerhalb einer performativen Situation. 2011 stellten sie sich die Frage, wie es von einer ersten Faszination für etwas, zu einer künstlerischen Form kommt und welchen Weg vom ersten Ansatz zur Konkretisierung gewählt wird. In den letzten Ausgaben von DATANZDA im Jahr 2012 setzten sie sich mit der Bedeutung des Bühnentanzes im 21. Jahrhundert auseinander.

DATANZDA bestand sieben Jahre lang. Die Aktionsgruppe entwarf mit ihren Ideen verschiedenste Konzepte, welche sie in jedem Folgejahr neu überdachten und verbesserten. Angelika Ächter und Anne Rosset blieben ihrem Motto, „Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen wie auch etablierte Künstler aus der Schweiz oder dem Ausland, Theoretiker, Kunstwissenschaftler, Veranstalter, Journalisten und weitere Spezialisten zu involvieren und das Experiment als Fokus ihrer Arbeitsphilosophie zu haben“ treu. Es entstand ein internationales Netzwerk mit Gästen aus der Schweiz, Italien, Frankreich, Österreich, Deutschland und Spanien mit unterschiedlichen Hintergründen und Profilen.3


Zum NZZ Artikel «Der Tanz ist Selbstzweck geworden» 22.2.2005

1 DATANZDA, datanzda-datanzda.blogspot.com, 21.10.2018
DATANZDA, datanzda-datanzda.blogspot.com, Konzept 2012, 02.01.2019

2 Felizitas Ammann, „Sprengen von Konventionen“, https://www.nzz.ch/articleCLCON-1.96812, 25.11.2018

3 DATANZDA, datanzda-datanzda.blogspot.com, 21.10.2018, Konzepte 2006 – 2012 Interview mit Anne Rosset, Zürich, 16. Oktober 2018

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