Archiv der Kategorie: Aufführungsimpressionen

Hast du ein Stück verpasst? Finde hier einen Bericht von unseren Expertinnen.

Wandtänzerinnen und Grenzgängerinnen

«Von Oben Herab»

von der Cie. Kopfsprung – Vertikales Tanztheater, Dynamo Jugendkulturhaus, Zürich, 22. Juni 19

 

Zwei Frauen – beides Absolventinnen der Accademia Teatro Dimitri in Verscio – seilen sich ab. Wortwörtlich. An öffentlich zugänglichen Hausfassaden – mindestens drei Stockwerke, sonst funktioniere es technisch nicht und mache auch weniger Spass – schauen Rebekka Gather und Roxane Kalt zunächst aus den Fenstern. Musik (Martin Theurillat) erklingt; ein Plakat orientiert Passant*innen über die 30-minütige ortsspezifische Performance „Von Oben Herab“. Die beiden grotesk kostümierten Frauen lassen Geranien Geranien sein und brechen aus ihrem trauten Daheim aus und auf zu neuen Ufern – in der Vertikalen. Ihre Vision, die Welt doch einmal „anders“ zu sehen, etwas zu wagen, erschallt durch ein Megaphon.

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«Oxy Moron»

von Malika Fankha im Tanzhaus Zürich, 5. Juni 2019 (Premiere)

 

Uterus-Universum – mit Shrimp

Stockdunkel. Sphärische Klänge. Grüne Augen blitzen in ungewohnter Höhe. Kommt da ein Wesen auf uns zu gestelzt? Ist es/er/sie bewaffnet? Hat uns im Visier?

Sobald sich der Nebel lichtet, zeichnet sich eine gewaltige Silhouette ab, die in lila Overknee-Stiefeln geradewegs auf uns zu gestöckelt kommt – ein Catwalk der anderen Art, ein Cyborg.

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«All In»

von Daniel Hellmann in der Gessnerallee (Aufführung: 27. April 2019, Premiere: 25. April)

Offener Dreier

Daniel Hellmann hat sich schon in mehreren Performances mit queerer und Mainstream-Sexualität auseinandergesetzt. In «Traumboy» beschrieb er seine Erfahrungen mit der käuflichen Liebe, in «Full Service» verkaufte er Wunscherfüllungen in einem kleinen, intimen Zelt. In «All In» befasst er sich nun mit Polyamorie.

Hand aufs Herz: Geliebt werden wollen wir doch alle. Mit all unseren Ecken und Kanten, vollumfänglich, so, wie wir sind. Aber wie ist es, wenn nicht eine Person im Zentrum des Begehrens steht, sondern mehrere? Wenn das klassische Duo zum Trio, Quartett oder Quintett anwächst. Ist geteilte Liebe doppelte Liebe oder nur halb so viel wert?

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Von Mann zu Mann zu Mann / tina mantel

Bericht von Evelyn Klöti 

Tina Mantel #mann tanzt Kulturmarkt 26. Januar 2019 (Premiere am 23. Januar)

Ode an die Freundschaft

Tina Mantel zeigt im Zürcher Kulturmarkt, was Männer so machen, wenn sie unter sich sind. „Von Mann zu Mann zu Mann“ ist bereits die dritte Produktion der Gruppe #manntanzt und die wärmste und bunteste.

„Men only“ lautet die Devise auf der Bühne, und „Für Männer mit Bewegungslust jeden Alters“ ist das Tanztraining, das Tina Mantel seit Jahren anbietet. Bei den acht Laientänzern, etwa 40 aufwärts, die sich neben Arbeit und Familie an ein Stück wagten, haben Improvisation und Körperschulung in der Tat Erstaunliches zutage gebracht.

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