Treffen mit der Tanzkommission (29.6.2017)

Fragen an die Tanzkommission

In den letzten Monaten wurden vermehrt Fragen an die TanzLOBBY herangetragen, die an die Tanzkommission gerichtet waren. Darum initiierte die TanzLOBBY ein Treffen von Vertretern der freien Szene mit der Tanzkommission. Im Vorfeld sammelte die TanzLOBBY die Fragen und organisierte zwei Treffen mit Tanzschaffenden, um relevante Fragen herauszukristallisieren.

Am 29.6.2017 fand dann ein Treffen mit der Tanzkommission im Stadthaus statt, bei dem die hier aufgelisteten Fragen diskutiert wurden. Die angefügten Fragen sind nicht allumfassend, sondern möchten den Austausch mit der Tanzkommission initiieren.  Auch die Antworten wurden nur kurz aufskizziert und nicht abschliessend diskutiert.

Abschliessend bemerkte die Kommission, dass sie das Gespräch spannend fand und sich gerne mit der freien Szene austausche. Es sei für sie wichtig zu wissen, was uns bewegt. Inputs sind immer willkommen. Die Tanzkommission begrüsst weitere Treffen. Schliesslich stehen wir alle auf der gleichen Seite und setzten uns für den Tanz ein!

Mitgedacht haben:
Tina Mantel, Marisa Godoy, Isabella Crecini, Anna Heinimann, Simone Truong, Elena Morena Weber, Kilian Haselbeck, Eleonora Zweifel, Nadine Schwarz, Angela Stöcklin, Thomas Peronnet, Jessica Huber, Daniel Hellmann

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Übersicht

1. Förderstrategie der TK
2. Annäherung der lokalen Szene und der Tanzkommission 3. Förderung der lokalen Szene
4. Auftrittsmöglichkeit in Zürich

 

1. Förderstrategie der TK Förderung / Vergabepraxis

Förderung / Vergabepraxis

  • Was ist die Vision der TK für die Zürcher Tanzszene der nächsten 5 Jahre?

 

Diskussion mit der TK/Antworten:

  • Die Förderung der TK richtet sich nach dem Kulturleitbild der Stadt Zürich, welche alle 4 Jahre überarbeitet wird:
  • https://www.stadt-zuerich.ch/kultur/de/index/kultur_stadt_zuerich/leitbild-publikationen/kulturleitbild-2016-2019.html
  • Das Ressort Tanz setzt sich für eine lebendige, aktive Szene ein und möchten diese bestmöglich fördern. Es kämpft also ganz generell für gute Bedingungen für den Tanz.
  • Die TK kann allerdings nur Projekte unterstützen, die über diesen Weg Förderung beantragen. Schnell wird klar: Unkuratierte Räume und Mittel, um grössere Companies zu finanzieren, müssen durch die Lobby der Tanzszene erkämpft werden.
  • Kulturpolitische Förderung:
    • Institution: – Tanzhaus à Durch die Position der Ressortleitung im Vorstand des Tanzhauses hat diese ein Mitspracherecht und eine Steuerungsmöglichkeit.
  • Freie Förderung: – Freier Kredit à (CHF 1.07Mio). Die TK ist beratendes Organ zur Vergabe dieser Gelder.
  • Die TK vergibt die Gelder nach einem Pyramiden-Prinzip:
  • KFV Verträge: (Nachhaltige Förderung)Die Vergabe dieser Verträge ist an viele komplexe Kriterien gebunden, welche  durch die übereinstimmende Wahl der Company von Pro Helvetia, Stadt und Kanton entsteht.Projektförderung im Mittelbereich: Über diesen Bereich wurde beim Treffen viel diskutiert. Nicht zu vergessen gilt, dass die TK spezifische Projekte fördert und nicht Gruppen/Künstler per se.Nachwuchs: (Niederschwelligere, breitere Förderung)
    • Um Projekte zu finanzieren sollten sich die Tanzschaffenden nicht nur auf Gelder der Stadt stützen. Z.B. wären Koproduktionen in anderen Städten hilfreich. Es braucht Partner. Im Mittelbereich sind viele Stücke nur lokal aktiv.
    • Die TK erhält ca. 20 Dossiers pro Termin. 50% werden gefördert. Das ist verhältnismässig viel, auch im Vergleich zum Theater.

    Die Budgets der eingegebenen Projekte wurden in den letzten Jahre immer höher, da ein realistisches Budget verlangt wird. An den Löhnen der Tänzer sollte allerdings nicht gespart werden. Dies wäre ein falsches Signal seitens der Stadt (und ist zudem nicht der Punkt, der am meisten ins Gewicht fällt).

 

  • Wer erarbeitet die Vision für den Tanz in Zürich?

 

Lösungsansatz der Tanzschaffenden:

Wäre es evtl. denkbar, eine Art Task-Force zu bilden aus verschiedenen Playern (Stadt, Tanzschaffende, Institutionen, Ausbildungsstätte, etc.) um so etwas herauszuarbeiten?

Diskussion mit der TK/Antworten:

Die momentan laufende Studie (Tanz- & Theaterlandschaft) ist die beste Methode sich einzubringen und sollte von der Tanzszene genutzt werden.

 

  • Wurde die bisherige Vergabepraxis evaluiert? Wenn ja, wie?

 

Diskussion mit der TK/Antworten:

  • In allen Kulturressorts setzt sich die Kommission aus gleich vielen Personen zusammen.

Bei der aktuell laufenden Studie (Tanz & Theaterlandschaft) der Stadt Zürich wird die aktuelle Situation analysiert und auch die Kulturförderung unter die Lupe genommen, um allfällige Verbesserungen anzubringen.

 

Visionierung

  • Kann die TK Produktionen visionieren, die nicht gefördert wurden (Als Ausgangs-punkt für zukünftige Anfragen / Bessere Kenntnisse der choreographischen Arbeit)?

 

Diskussion mit der TK/Antworten:

  • Die Kommission versucht möglichst breit zu visionieren und auf jeden Fall auch Projekte, die keine städtische Förderung erhielten.

Wichtig ist es deshalb, dass die TK über diese Projekte informiert wird (Mail an Anna Bürgi möglich. Zudem haben alle Tanz3)

 

Dossiers

Wir wissen, dass das Verfassen der Dossiers ein zentraler Punkt ist, sowohl für Fördergelder wie auch für Koproduktionen.

  • Wie wertet die TK die bereits bestehende künstlerische Arbeit von Choreographen, die schon länger aktiv sind bei der Vergabe von Geldern?

 

Lösungsansatz der Tanzschaffenden:

Wir sind der Meinung, dass die künstlerische Arbeit zu einem gewissen Grad bei der Vergabe der Gelder berücksichtigt werden sollte und nicht nur das schriftliche Dossier bewertet wird.

 

Diskussion mit der TK/Antworten:

  • Die TK sieht ihre Aufgabe klar in der Produktionsförderung, nicht in der Künstlerförderung. Eingaben werden also jedes Mal aufs Neue im Bezug auf dieselben Kriterien geprüft à faires Vorgehen. Alle haben eine Chance.
  • Natürlich wird aber das Bisherige Schaffen mitberücksichtigt und fliesst somit in die Beurteilung der Dossiers ein. Gerade deshalb visioniert die Kommission fleissig.
  • Vorgehen der TK: 1. Sichten der Dossiers, 2. Budget anschauen. Sie versuchen also ihre Entscheide anhanden der Idee, des Konzeptes, nicht anhanden der Finanzen zu fällen.

Wichtig sei es, dass die Tanzschaffenden sich klar überlegen, was sie der Kommission vermitteln möchten. Auch heute kann trotz digitaler Eingabemethode ein persönliches Dossier erstellt werden (bsp. Verlinkung mit einem Video).

 

Beratende Funktion der Kommission

Im Dokument „Richtlinien für das Ressort Tanz“ steht:

Neben der rein finanziellen Unterstützung steht das Ressort Tanz Zürcher Tanzschaffenden und -interessierten beratend zur Seite.

 

  • Wie sieht diese Beratung konkret aus?

 

Diskussion mit der TK/Antworten:

Anna Bürgi ist Ansprechsperson für Fragen generell. Gesuche können jedoch nicht auf inhaltliche Qualität geprüft werden.

 

2. Annäherung der lokalen Szene und der Tanzkommission

 

  • Wir wünschen uns eine Annäherung der TK mit der Szene.

 

Lösungsansatz der Tanzschaffenden:

Wir schlagen ein regelmässiges Treffen (1x Jährlich) zwischen Kommission und Tanzszene vor. Dabei sollten zuerst offene Fragen im Plenum diskutiert werden und danach könnte man sich bei einem Apéro besser kennen lernen. Ziel ist es, den Austausch zwischen TK und den Tanzschaffenden zu fördern

Ev. wäre ein digitales Tanzportal eine Lösung, die das Präsidialdepartement zur Verfügung stellt. Dort könnten Choreographen einen Eintrag machen (Kurzes Profil und aktueller Stand der künstlerischen Arbeit). Somit wäre es in der Verantwortung der Tanzschaffenden die TK à jour zu halten.

 

Diskussion mit der TK/Antworten:

Die Idee eines Blogs hatte die Tanzförderung zusammen mit der Theaterförderung bereits diskutiert. Die Umsetzung ist jedoch z.Z. nicht möglich, da sie hierzu keine Ressourcen (Finanzen und Stellenprozente) zur Verfügung hat..

 

3. Förderung der lokalen Szene

  • Wir fragen uns, wie die lokale Szene noch besser belebt werden kann und in wie fern dies durch die finanzielle Förderung unterstützt werden kann?
  • Wird in der TK darüber diskutiert, ob und wie lokale Künstler/Guppen eine langfristige Unterstützung bekommen könnten (z.B. Beiträge für drei Jahre, unabhängig von Pro Helvetia)?

  

Lösungsansatz der Tanzschaffenden:

Um eine lokale Szene zu beleben braucht es unserer Meinung nach einen festen Kern. Ideal wären einige Companies, die v.a. vor Ort Produzieren und auch auftreten, die eigene Räume hätten und diese dann auch für andere Tanzschaffende, der freien Szene öffnen würden. So entstünde mehr Austausch und die Infrastruktur für Tanzschaffende wäre auch gewährleistet. Dies bedingt aber eine langfristige Förderung lokaler Gruppen.

Ev. könnte man das Kosten-Nutzen Verhältnis der Förderung analysieren: Wie viel Prozent der Subventionsgelder kommt wie vielen lokalen Tanzschaffenden zu Gute? Da nicht mit mehr Geldern zu rechnen ist, sollte dieses Verhältnis verbessert werden. Giesskannenprinzip vs. konstante Förderung von gewissen lokalen Gruppen, die den anderen der freien Szene Infrastruktur bieten.

 

Diskussion mit der TK/Antworten:

  • Ja, die Kommission diskutiert dies. Änderungen könnten durch die Ergebnisse der Studie „Tanz- & Theaterlandschaft“ initiiert werden.

Jedoch ist klar zu bedenken, dass in der momentanen Situation keine weiteren Mittel in den Tanz fliessen werden. Eine langfristige lokale Förderung würde Gelder für Projekte der freien Szene binden.

Austausch zwischen der freien lokalen Szene und den KFV-Gruppen, die längerfristig gefördert werden.

 

Zum Teil werden Personen mit geringem Bezug zu ZH gefördert. Zudem sind gewisse geförderte Gruppen mit KFV nur selten in ZH.

 

  • Wie ist das Verfahren für eine KFV-Vergabe?

 

Diskussion mit der TK/Antworten:

  • Die Idee hierzu ist aus dem Projekt „Tanz“ entstanden. Pro Helvetia, Stadt und Kanton entscheiden gemeinsam, welche Gruppe diese Förderung erhält.

Pro Helvetia hat allerdings hohe Anforderungen bez. Tournee. Deshalb kommen viele Companies nicht in Frage. Die Stadt und der Kanton schauen, welche Gruppen überhaupt für diese strengen Richtlinien in Frage kommen.

Lösungsansatz der Tanzschaffenden:

Wir wünschten uns eine verstärkte Integration der geförderten Gruppen in der lokalen Szene. Gruppen, die langfristig  gefördert werden, könnten einen gewissen Prozentsatz ihres Budgets für die Szene aufwenden (Workshops, Festivals, Meetings, Austausch, Showings).

Diskussion mit der TK/Antworten:

Die TK wünscht sich auch eine verstärkte Einbindung dieser Gruppen in Zürich. Bereits jetzt ist dies vertraglich festgehalten. Es bestand aber viel Interpretationsspielraum. In den nächsten Verträgen werden diese Anforderungen konkreter formuliert.

 

4. Auftrittsmöglichkeit in ZH

 

Vernetzung TK & Veranstalter

Die Vernetzung zwischen TK, Gruppen und Veranstalter scheint eine schwierige Situation zu sein. Immer wieder kommt es vor, dass TK und Veranstalter nicht gleicher Meinung sind. Je nach Situation erhalten entweder die TK oder die Veranstalter viel Macht.

 

  • Wie geht die TK mit dieser Situation um?

 

Diskussion mit der TK/Antworten:

Die TK ist sich dessen bewusst. Sie fördern auch Projekte, die nicht von den Häusern unterstütz werden.

 

Off-Spaces

Im Dokument „Richtlinien für das Ressort Tanz“ steht:

Es gelten auch andere Räume als Spielstätten, wenn sie für das spezifische Projekt besonders geeignet erscheinen. Die in den Eingaben geforderten Spielstättenbestätigungen können deshalb auch von anderen privaten oder juristischen Personen unterschrieben werden, die den entsprechenden Ort zur Verfügung stellen.

  • Wir haben den Eindruck, dass es für solche Arbeiten viel schwieriger ist ein Qualitätssiegel der TK zu erhalten, auch wenn die Entscheidung andere Räumlichkeiten zu bespielen rein künstlerisch, und nicht finanzieller Natur ist. Wie steht die TK dazu?

 

Diskussion mit der TK/Antworten:

  • Die TK weist diesen Vorwurf zurück. Das Problem ist oft budgetär, da die Infrastruktur fehlt und diese Projekte somit schnell sehr teuer sind.

Auch diese Choreographen sollten sich bemühen, Partner in anderen Städten zu finden, um vermehrt auftreten zu können und die Kosten zwischen Städten bzw. Institutionen zu teilen (Koproduktion in anderen Städten, Zürich Tanzt).

 

Mangelnde Auftrittsorte

Immer wieder finden Choreographen keine Möglichkeit in ZH aufzutreten.

  • Wie steht die TK zu diesem Problem?

 

Lösungsansatz der Tanzschaffenden:

Die TK sollte zusammen mit den Veranstaltern den lokalen Tanzschaffenden eine Plattform ermöglichen. → Gespräch mit Veranstaltern suchen (auch Theatersaal Rigiblick), wo früher Tanzveranstaltungen möglich waren.

Diskussion mit der TK/Antworten:

Die TK sieht den Leistungsauftrag des Tanzhauses klar in der Förderung der lokalen Szene. Durch die Position von Anna Bürgi im Vorstand des Tanzhauses kann die Stadt indirekt Einfluss nehmen (Wahl der künstlerischen Leitung). Trotzdem sind der künstlerischen Leitung gewisse Freiräume einzuräumen.